Vernetzen ja. Nackte Männer nein. Silversurfer verlässt Facebook.

Drachen

Ostern hatte Elisabeth* die Nase voll: Nackte Männer als Häschen verkleidet im Gras und ein Bierglas mit Frauenbrüsten. Unangenehme Facebookfreunde hatte sie vereinzelt zwar schon vorher entfreundet, nun aber verabschiedete sie sich komplett aus dem Netzwerk. Und das hat nichts mit ihrem Alter zu tun. Elisabeth ist 63 Jahre alt.

Was die Leute so exhibitionistisch aus sich herauswürgen, ist mir unendlich auf den Keks gegangen. Damit will ich mich nicht beschäftigen.

Bei Facebook hatte sich die Buchhändlerin aus dem Ruhrgebiet erst im Januar 2012  angemeldet. Es ging ihr zunächst ganz gezielt um einen Kontakt zu einem Hundetrainer, der Fotos und Videos von Hunden postete und speziell um die Bilder von einem Tierheimhund, um den auch sie sich kümmerte. Bald stellte Elisabeth dem Trainer eigene Fotos von diesem Hund zur Verfügung. Später begann sie sich stärker zu vernetzen und postete selbst ihre Lieblingsbilder, stellte auch Fundstücke aus dem Netz und Videos ein, erzählte über ihre Reisen und empfahl Bücher zur Lektüre.

Ich bin häufig im Netz unterwegs, ich bin neugierig. Und Facebook war auch ganz praktisch, als mein Mann krank wurde. Da konnte ich benutzerdefiniert meine Freunde benachrichtigen und brauchte nicht so viel zu telefonieren.

Zuletzt hatte Elisabeth genau 36 Freunde, davon 15 aus dem engeren Freundeskreis, der Rest waren sonstige Bekannte. Und die fingen vielfach an zu nerven, weil sie so dämliche Sachen posteten. An ein weitreichendes Entfreunden traute sich Elisabeth nicht so recht heran, weil sie diesen Bekannten schließlich dauernd wiederbegegnen würde.

Ich will es mir mit den Leuten nicht verderben. Aber Posts mit nackten Männern und einem Hasenschwänzchen am Po finde ich nicht witzig. Damit will ich nicht belästigt werden. Auch wenn andere noch so viele Likes dafür vergeben haben.

Genervt haben Elisabeth auch die Spieleaufforderungen und die Werbung und ein Abonnent, von dem sie nicht wusste, wie sie ihn wieder loswerden könnte. Deshalb zog sie einen Schlussstrich und verabschiedete sich von jedem persönlich:

Hallo Frau Mohr, ich mag vorerst nicht mehr bei Facebook bleiben und „lösche“ mein Profil. Lassen Sie es sich gut gehen.

Die Gänsefüßchen waren eigentlich überflüssig. Elisabeth hat ihr Profil tatsächlich gelöscht. Aber die 63jährige plant durchaus einen neuen Anlauf. Vielleicht unter anderem Namen oder auf einer anderen Plattform. Elisabeth will netzwerken. Nur anders.

Mal gucken, wie ich das hinkriege. Ich krieg das hin!

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