Los jetzt. Wir schütten den digitalen Graben zu und bringen die neuen Medien in die alten Menschen.

Du zuerst. Nein Du! Auf die Frage, wie die neuen Medien in die alten Menschen kommen, kann es nur eine Antwort geben: Wir brauchen Bewegung auf beiden Seiten des digitalen Grabens. Lernbereitschaft und Neugier bei Offlinern, Impulse und Hilfsbereitschaft durch Onliner. Für alle Beteiligten gilt: Machen. Machen. Machen. Ansätze dafür gibt es genug.

Adieu Schreibmaschine

Wir kommen mit der Digitalisierung der Gesellschaft nicht weiter, wenn wir älteren Menschen keine nachhaltigen Brücken bauen. Die Offliner, die Skeptiker, die Technikverzweifler unter ihnen brauchen sinnvolle Angebote und familiäre Unterstützung, um den Mehrwert digitaler Technologien für sich zu erkennen und ihre Nutzung zu erlernen. Weiterlesen

Internetz. Mein Jugendzentrum für Senioren.

Ausgerechnet Twitter. Im Nachhinein betrachtet war dieses Netzwerk für den Späteinstieg eine gute Wahl. Nirgendwo habe ich mehr gelernt, mehr Kontakte geknüpft und mehr über Vernetzung erfahren. Genau drei Jahre ist das heute her. In dieser Zeit ist das Internetz mein Jugendzentrum für Senioren* geworden. Mein Ratschlag an die Skeptiker meiner Generation: Einfach machen!

Jugendzentrum für Senioren in München*. Foto: Michael Praetorius

Jugendzentrum für Senioren in München* Foto: Michael Praetorius

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Staunend zwischen Flirtlounge und Dessousreklame. Ein Besuch im Netzwerk Seniorbook.

Glaubt bloß nicht, dass ein soziales Netzwerk mit dem Namen seniorbook altbacken und betulich ist. Natürlich kann man dort neue Freunde zum Wandern finden, sich über Diabetes austauschen und die Fotowand mit stimmungsvollen Naturaufnahmen bestücken. Doch den Kick zwischen Reklame für Reizwäsche und Zahnersatz liefern Themen rund um Liebe und Partnerschaft. Es gibt auch eine Flirtlounge oder Einladungen zu Nutzertreffen im Swingerclub. Seniorbook ist auch ein bisschen „wie die Bier, die so schön hat geprickelt in mein Bauchnabel.“

Liebesschlösser Köln

Liebesschlösser Köln

Wo bitte geht es zu den Senioren?

Soll die Netzsschickeria doch Ello testen. Ich bin „Damals benutzten wir noch Tippex Jahre alt“ und habe mir seniorbook angeschaut, das mir verspricht, „viele neue Menschen im besten Alter – 50plus – kennenzulernen. Zum Chatten oder für gemeinsame Aktivitäten“. Seit September 2012 ist dieses neue Netzwerk online. Die Begrüßung nach der Anmeldung ist buchstäblich spitzenmäßig: Vor meinen Augen bannert Werbung für schwarze Spitzentangas, Mieder und Büstenhalter. Wo war ich noch mal?

Mister Nobody: hi Ilse schreiben wir?

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Flucht vor der Familie 2.0? Schämt Euch! Bitte recht freundlich zu Senioren im Netz.

Manchmal habe ich den Eindruck, als ob die jungen Leute das Internet lieber für sich allein behalten wollen. Die Nachricht über die vermehrte Anwesenheit von US- Senioren auf Facebook wird bei uns mit den Worten stürmen, entern und erobern beschrieben und löst anscheinend Fluchtreflexe der Jüngeren aus. Senioren sind doch keine Kampftruppe. Ich hätte lieber gelesen: Schön, dass Ihr auch da seid.

Familie

Über Mamas Peinlichkeiten auf WhatsApp und Papas Probleme am PC wird im Netz genüsslich gefeixt. Aber wehe, wir würden erzählen, wie das Kinderzimmer eine Zeitlang mit Postern der Backstreet Boys aus der Bravo zugepflastert war oder wie vor Feten stundenlang im Spiegel coole Grimassen geübt wurden.

Es reicht es nicht aus, von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Maßnahmen zur Steigerung der Digitalkompetenz in Deutschland zu fordern oder ein paar Senioren-Technik-Botschafter durch die Lande zu schicken. Schön wäre bei jüngeren Onlinern auch eine freundlichere Willkommenskultur, wenn Ältere auf Entdeckungsreise ins Internet gehen.

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