Verwaiste Accounts: Twitters Kurzvideo-App Vine wird von deutschen Redaktionen wenig genutzt.

Seltsam: Redaktionen und Journalisten, die die Kunst und Krux der Kürze von Text- und Bildnachrichten auf Twitter meistern, machen um Twitters App und Netzwerk für Minivideos Vine in Deutschland noch einen recht großen Bogen. So viele tote Accounts, so traurig.

Seit dem Start der Plattform Anfang 2013 haben sich dort zwar etliche Redaktionen und Journalisten angemeldet und ihren Namen gesichert; aber die Nutzung hält sich in Grenzen.

Still ruhen die Accounts

0 Posts haben bis heute die Accounts der Sueddeutschen Zeitung, der BILD und der Stuttgarter Zeitung ihren erwartungsvollen Followern geliefert. Auf den Accounts von Zeit Online, Spiegel Online und ZDF heute ist es bei einem einzigen Vine geblieben, und nicht einmal eine Handvoll Beiträge haben die Frankfurter Rundschau, der Kölner Stadt-Anzeiger und die Rhein-Lahn-Zeitung geschafft. Selbst bei der experimentierfreudigen Rhein-Zeitung und der Berliner Morgenpost ist wieder Stille eingekehrt.

Dabei zeigen viele Beispiele, wie sich im journalistischen Alltag ein aktuelles Geschehen mit einem Vine fix einfangen und veranschaulichen lässt. Den Ton schaltet man durch einen Klick auf das Lautsprechersymbol ein und aus.

Mehr Leben findet man zurzeit auf dem Account von ZDF Sport, der mit Vines die Fußballweltmeisterschaft begleitet hat.

Die Einsatzmöglichkeiten von Vine machen sich auch Regierungen zunutze, wie Beispiele aus dem Élysée-Palast und dem Auswärtigen Amt zeigen.

Sechs Sekunden ohne Geschwätzigkeit

Vine ermöglicht auch Video-Anfängern einen unkomplizierten Einstieg in die Welt bewegter Bilder mit gleichzeitiger Tonwiedergabe. Na gut, ein bisschen üben muss man, bis man sich dort zurechtfindet; aber das ist für Einsteiger auf der Kurznachrichtenplattform Twitter auch nicht anders.

Die höchstens sechs Sekunden langen Videoclips können mit der App sehr schnell produziert und direkt auf Vine, Twitter und Facebook geteilt werden. Das erweitert gegenüber reinen Textnachrichten und statischen Bildern den Spielraum für buchstäblich bewegtes Geschichtenerzählen und Informieren, Kommentieren und Unterhalten in den sozialen Netzwerken.

Sechs Sekunden klingt wenig. Ist es aber nicht. Zum einen merkt man sehr rasch, wie viele Inhalte sich verdichtet in sechs Sekunden unterbringen lassen; zum anderen bewahrt die Kürze vor Geschwätzigkeit. Vine eignet sich gut, um rasch eine kleine Geschichte oder eine Begebenheit, eine Impression oder ein Rechercheerlebnis in aller Kürze sofort zu veranschaulichen und so den Followern in den sozialen Netzwerken einen zusätzlichen Mehrwert an Information, Nutzwert oder Unterhaltung zu bieten. Darüber hinaus stellt Vine html-Codes zum Embedden zur Verfügung.

Einsatzmöglichkeiten für Journalisten

• Im richtigen Moment aufgepasst, kann beispielsweise ein O-Ton auf einer Veranstaltung im Original festgehalten und gepostet werden.

• Reporter vor Ort können in aller Kürze zeigen, wie es gerade an einem Schauplatz aussieht.

• Statements von Beteiligten oder die Aufnahme von Schlüsselszenen können ein aktuelles Geschehen veranschaulichen.

• Ein Kurzinterview mit einem Gesprächspartner gibt der Berichterstattung eine persönliche Note.

• Redaktionen können ihre Teams vorstellen oder Einblick hinter die Kulissen ihres Alltags gewähren.

• Medien können auch mit Bewegtbild auf kommende Sendungen oder Ausgaben hinweisen.

Die App

Vine (Abkürzung für Video Network und gleichzeitig die Bezeichnung für eine Aufnahme) wurde als Dienst zum Teilen von kurzen Videos im mobilen Web von Dom Hofmann, Rus Yusupov and Colin Kroll im Juni 2012 entwickelt. Noch vor dem offiziellen Start kaufte Twitter im Oktober 2012 die Anwendung. Am 24. Januar 2013 war die kostenlose App schließlich erstmals für iOS- Geräte verfügbar. Versionen für Android und Windows Phone folgten noch im selben Jahr.

Die App wurde und wird laufend mit neuen Funktionen ausgestattet. Darin unterscheidet sie sich deutlich von der Aufnahmefunktion für Videos, die Facebook Ende Juni 2013 auf seiner Bilderplattform Instagram eingeführt hat. Dort sind Aufnahmen bis zu 15 Sekunden möglich, die Ausstattung ist im Vergleich zu Vine aber eher rudimentär.

Links:

Eine anfängertaugliche Vine-Einführung mit Tipps und Tricks hat Jochen Mai geschrieben.

In einem Vine-ABC erklärt Franz-Josef Baldus die einzelnen Funktionen und hat sich mit Vine-Beispielen aus der Nachrichtenbranche beschäftigt.

Von Nicole Hundertmark gibt es ebenfalls eine Einführung mit vielen Erklärbildern. Sie lädt seit Oktober 2013 im Bergischen Land, in Köln und am 19. Juli 2014 erstmals auch in Bonn dazu ein, die App in Gemeinschaft bei einem Spaziergang #VineWalkDE auszuprobieren und voneinander zu lernen.

2 Gedanken zu “Verwaiste Accounts: Twitters Kurzvideo-App Vine wird von deutschen Redaktionen wenig genutzt.

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