Silvernerd. Definition.

Silvernerds sind durchgeknallte ü50er, die keine Lust haben, Babysöckchen für nicht vorhandene Enkel zu stricken und stattdessen plötzlich anfangen zu twittern und zu bloggen. Sie fühlen sich zu jung, um den Anschluss an die Welt zu verlieren, die sich im Internet experimentierfreudig vernetzt.

Souvenir von der re:publica 2013

Souvenir von der re:publica 2013

Silvernerds nenne ich Leute 50+, die das Stadium der belächelten Silversurfer hinter sich gelassen haben. Silvernerds springen mutig über den digitalen Graben und entdecken das Internet als einen vergrößerten Lebensraum. Sie besiedeln das Neuland, gestalten es mit und leben dort genauso selbstverständlich wie in der realen Welt.

Silvernerds gehen auf Barcamps, vernetzen sich auf der re:publica und beteiligen sich via Hangout on air an gesellschaftspolitischen Diskussionen. Sie probieren neue soziale Netzwerke und Apps aus, erweitern ihre Digitalkompetenz mit Hilfe von Fortbildungen und entwickeln eine eigene digitale Persönlichkeit. Für diese Umtriebigkeit reicht mir der Begriff Silversurfer nicht aus.

Silversurfer sind so 90er

Der Begriff Silversurfer wurde zum einen von Marketingstrategen Ende der 90er Jahre in die Welt gesetzt, die mit der Generation 50+ eine neue Zielgruppe im Internet entdeckt hatten. Zum anderen beschreibt der Begriff auch die Online-Aktivitäten der älteren Menschen. Silversurfer empfand ich früher als Begriff für ältere Einsteiger im Netz als eine durchaus charmante Bezeichnung. Bis ich gemerkt habe, dass ü50er damit unterschwellig als Internetdoofis belächelt werden.

Als Kultur- und Lebensraum ist das Internet für Silversurfer meist noch Neuland

Silversurfer sind online, aber was tun sie da? Sie beschränken sich überwiegend auf wenige bekannte Anwendungen: Suchmaschinen nutzen, E-Mails senden und empfangen, zielgerichtet Angebote und Informationen suchen, vielleicht noch Onlinebanking und Reisebuchung. Das Internet als ein Kultur- und Lebensraum ist für sie eher noch Neuland.

Es ist egal, welche Studie man sich anguckt: In der Altersgruppe ab 60 Jahren fallen Internetnutzung, Nutzungsvielfalt und Digitalkompetenz drastisch ab. Nur vier von zehn Senioren ab 65 Jahren nutzen überhaupt das Internet, wie eine jüngste BITKOM-Umfrage bei Senioren ab 65 Jahren gezeigt hat. 43 Prozent von ihnen haben noch Kassettenrekorder in Gebrauch, ein Tablet nutzen nur zehn Prozent. 50 Prozent der 50-69jährigen schätzen nach den Ergebnissen der ARD/ZDF-Onlinestudie ihre Internetkenntnisse als weniger gut bis gar nicht gut ein.

Interaktion und Multimedialität im Netz nutzt zwar auch die Generation zwischen 50 und 69 Jahren in zunehmendem Maße, im Vergleich zu den jüngeren Generationen ist diese Nutzung aber noch bescheiden. Laut ARD/ZDF-Onlinestudie 2014 beträgt der Anteil der Altersgruppe 50 bis 69 in Onlinecommunitys und Videoportalen 17%, an Chats 12 % und Internetforen 7%. Auch Blogs und Twitter sind für einen großen Teil der älteren Onliner noch Fremdworte.

12 Gedanken zu “Silvernerd. Definition.

  1. Darf ich milde protestieren? So von wegen Neuland und überhaupt?

    Als 50+ fühle ich mich eher als Digital Native oder wie das gerade heißt. Schließlich hatte ich schon eine eigene Mailadresse, als es viele Twitterer noch gar nicht gab 😉

    Und die Internetpioniere sind mittlerweile alle 70+

    Viele Grüße,
    Klaus

  2. Bei der Definition bleiben die echten Nerds aber außen vor.

    Wenn Späteinsteiger SilverNERDs wären, wie sollen sich denn dann 60+-Personen bezeichnen, die schon vor über 25 Jahren lieber Computer zusammengebaut und sich noch nie für Grießklöschen interessiert haben?

    Wer eine richtige Nerd ist, die käme nicht einmal auf die Idee, sich die Haare zu färben. Die interessiert sich für Computerzeitschriften statt für ihr Aussehen. Die gibt seit Jahrzehnten mehr Geld für Computerzubehör aus als für Klamotten.

    Späteinsteiger sind keine SilverNERDs, sie sind allenfalls Silversurfer.

    • Der Begriff Silvernerd soll den Unterschied zu Silversurfern beschreiben. Silversurfer beschränken ihre Online-Aktivitäten überwiegend auf wenige bekannte Anwendungen: Informationen suchen, Suchmaschinen nutzen, E-Mails schreiben, Wetterinformationen suchen. Die Nutzung der Interaktivität und Multimedialität im Web ist für viele noch Neuland. Im Unterschied zu ihnen steht für mich der Begriff Silvernerd für die Umtriebigkeit älterer Menschen im Netz, die angefangen haben zu twittern, zu bloggen und Videos hochzuladen; die sich per Hangout on air in einer netzpolitischen Diskussion zu Wort zu melden, ihr Internetkenntnisse auf Fortbildungen erweitern, auf Barcamps neue Wege der Vernetzung gehen und eine Session bei der re:publica einreichen.

  3. Wie sag ich eigentlich bei Dir? Der oder die Silvernerd Ilse Mohr? Als ich neulich Deinen Blogpost zu Seniorbook bei bundesstadt.com empfahl stellte sich für genau diese Frage 😉 Ich hab mich dann für „die Silvernerd Ilse Mohr“ entschieden – hört sich zwar etwas „schräg“ (falsch) an, aber mir gefiel es besser ;). Aber wie siehst Du das?

  4. Hallo Frau Mohr,

    eine schöne Definition der Silvernerds. Auch ich zähle zu diesem Kreis, allerdings färbe ich mir die Haare noch. Ich bin dabei, einen Onlineshop für Handgestricktes aufzubauen und übe mit meinem Blog das Social Media-Vernetzen noch (uff). Frau Brigitte Glatzel hilft mir dabei. Von ihr habe ich auch den Hinweis auf Ihren Blog, den ich sehr gelungen finde. Vielleicht schauen Sie mal in meinem Blog vorbei.

    Viele Grüße
    Monika Zier

  5. Pingback: Neuland Lounge - mit Ilse Mohr | DoSchu.Com

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