Siezen. Duzen. Durcheinander. Mein Lehrstückchen vom Bonner Barcamp.

So ein Barcamp kann ordentlich Verwirrung stiften. Da trifft man Leute, die man zuvor manierlich gesiezt hat, nun aber duzen soll und am nächsten Tag wieder offiziell wegen eines Interviews kontaktieren muss. Und dann? Sie oder Du?

Barcamp Bonn Eröffnungssession

Barcamp Bonn Eröffnungssession 28.02.2015

Wer mich siezt, fliegt raus.

„Wer mich siezt, fliegt raus“, verkündete Johannes Mirus bei der Eröffnung des ersten Bonner Barcamps, dass er gemeinsam mit Sascha Förster und Karin Krubeck auf die Beine gestellt hatte. Duzen ist Barcampkultur und unter den meist jüngeren Besuchern wohl ohnehin kein Problem. Doch dieses Barcamp empfand ich als erstaunlich altersgemischt und ich war zu meiner Freude mit meinem Silberhaar unter den rund 160 Teilnehmern keine Ausnahmeerscheinung.

Bonner Barcamp: Sascha Förster und Johannes Mirus begrüßen die Teilnehmer.

Bonner Barcamp: Sascha Förster und Johannes Mirus begrüßen die Teilnehmer.

Die Liga 50plus taut auf

Ich duze also die jungen Leute munter drauf los, was insofern kein Problem ist, weil ich ja ohnehin älter bin. Blöd ist allerdings, wenn man auf Gleichaltrige aus der Liga 50plus trifft. Und dann noch auf einen aus beruflichen Kontakten bekannten Vorsitzenden eines Gewerbevereins. Vollautomatisch stellt sich bei mir das Siezen ein. „Kalle“, schallt es zurück. Ich bin baff. Wir plaudern.

Eine lichtdurchflutete Location: das Forum Internationale Wissenschaft der Uni Bonn.

Eine lichtdurchflutete Location: das Forum Internationale Wissenschaft der Uni Bonn.

Unsicherheit am Tag danach

Tags drauf allerdings will ich just diesen Unternehmer ganz offiziell um einen Stellungnahme zu einem aktuellen kommunalpolitischen Thema für die Berichterstattung in der Zeitung bitten. Aber wie rede ich ihn in meiner Mail nun an? Duzen oder Siezen?

Timeline hilf!

 

 

 

Es rumpelt in der preußischen Herzensecke

Tapfer entscheide ich mich für ein „Guten Morgen Kalle“. Es fühlt sich komisch an. Unter anderem auch deshalb, weil das mein Kindheitsspitzname war, als ich mit meiner Freundin Eva die Kalle-Blomquist-Bücher von Astrid Lindgren nachspielte. Gespannt warte ich auf die Rückmail. „Guten Tag Ilse“. Irgendwie fällt mir ein Stein vom preußischen Teil meines Herzens.

Bildergalerie aus dem Smartphone-Fotodrucker

Bildergalerie aus dem Smartphone-Fotodrucker

Der feine Unterschied zwischen Duzen und Siezen

Aber ich werde weiterhin lieben, dass man im Deutschen die Wahl zwischen Duzen und Siezen hat, diese feine, vielleicht altmodische Unterscheidung zwischen einem respektvoll distanzierten Austausch und einer vertrauten Nähe, die sich für mich erst einstellt, nachdem man einmal zusammen gelacht und geweint hat.

5 Gedanken zu “Siezen. Duzen. Durcheinander. Mein Lehrstückchen vom Bonner Barcamp.

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  3. Oh, wie gut ich das kenne. Allerdings kenne ich noch eine kleine Steigerung: ich duze automatisch auf einer „Szene“-Veranstaltung und werde gnadenlos zurück gesiezt. Das sind die Momente, in denen mir einfällt, dass ich doch ein wenig älter bin. Natürlich weise ich dann darauf hin, dass das Du gegenseitig ist und dann ist auch alles okay.
    Die Erfahrung mit dem Barcamp kenne ich sehr gut vom Hamburger Barcamp. Dort sehe ich ganz viele Kollegen, die ich im Alltag alle sieze, hier aber duze. Sehe ich sie hinterher wieder, dann „umschifft“ irgendwie jeder die Anrede 🙂

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