Internetz. Mein Jugendzentrum für Senioren.

Ausgerechnet Twitter. Im Nachhinein betrachtet war dieses Netzwerk für den Späteinstieg eine gute Wahl. Nirgendwo habe ich mehr gelernt, mehr Kontakte geknüpft und mehr über Vernetzung erfahren. Genau drei Jahre ist das heute her. In dieser Zeit ist das Internetz mein Jugendzentrum für Senioren* geworden. Mein Ratschlag an die Skeptiker meiner Generation: Einfach machen!

Jugendzentrum für Senioren in München*. Foto: Michael Praetorius

Jugendzentrum für Senioren in München* Foto: Michael Praetorius

„Sag mal, wenn ich Dir auf Twitter folgen will, was muss ich da tun? Und wo kommen die Twitter hin? Handy oder E-Mail?“ Fragen an meine Tochter Carline Ende des Jahres 2011. Ihr lacht? Das Kind hat mich nicht ausgelacht, sondern geduldig eine lange E-Mail über Twitter geschrieben. Bar jeglicher Kenntnis über soziale Netzwerke hatte ich kein Wort verstanden.

Betreutes Twittern 

Doch die Neugier war geweckt. Und ich nutzte die nächstbeste Gelegenheit, um mich schlau zu machen. Am 23. März 2012 hat Ulrike Langer uns trotz Jetlag nach dem Flug von Seattle nach Düsseldorf bei einem Einsteigerseminar des DJV NRW die volle Dröhnung Social Media verpasst. Und dafür gesorgt, dass wir mit einem Twitteraccount wieder nach Hause gingen. Danke dafür und die Geduld meiner Netzpaten Carline Mohr und Michael Praetorius, die monatelang danach Twitter-Screenshot-E-Mail-Fragen beantwortet haben.

Wie kommen die neuen Medien in die alten Menschen?

Diese Frage werden die Kölner Wissenschaftsrunde und Professoren der MHMK Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation am 15. April in Köln diskutieren. Ich bin eingeladen, mich an diesem Gespräch zu beteiligen. Ich weiß heute: Vielfach sind schlichte Unkenntnis, mangelnde Neugier und das Gefühl technischer Überforderung der Grund, sich nicht mit den Möglichkeiten des Social Web zu beschäftigen.

Willkommenskultur statt Muddawitze

Witze über die Unbeholfenheit der älteren Generation im Umgang mit Computern und sozialen Plattformen sind beliebt. Sie nützen aber niemandem. Die jüngeren Onliner sollten sich lieber um eine freundliche Willkommenskultur bemühen und bereitwillig Verantwortung übernehmen. Es zahlt sich langfristig aus, wenn sich für Ältere der Lebensraum durch das Internetz vergrößert.

Das Netz hält jung

Soziale Netzwerke stärken die Familienbindung, wenn man sich immer seltener persönlich sieht. Sicherheit im Umgang mit Kommunikationsplattformen ist ein Mittel gegen Vereinsamung, wenn Senioren gelernt haben, dort ihr eigenes Ding zu machen. Verständnis für den Umgang mit digitalen Technologien fördert den Erhalt der Selbstständigkeit, wenn man gebrechlich oder tüddelig geworden ist. Das Internetz als Jugendzentrum für Senioren. Es ist toll, darin nun einen Platz zu haben.

*Das Jugendzentrum für Senioren in München ist eine Einrichtung des Vereins Kinder von gestern e.V. Sein Ziel ist es, „unseren Gästen das zu bieten, was es für Jugendliche längst gibt: ein Jugendzentrum für Senioren. Ein Ort, wo mit jugendlichem Esprit unter Gleichgesinnten gemeinsam Zeit verbracht werden kann“.

Links:

Meine Liebeserklärung an Twitter

Was ist eigentlich ein Silvernerd? Mein Gastbeitrag für carly & friends

Meine Online-Story in der Neuland Lounge von Doris Schuppe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Bitte eingeben: *